Beitrag

In Fuddomode und pan Haizoichn

Ein Beitrag von Regina Senfter Stauder

Es gibt sie noch - einige artenreiche Bergwiesen, auf denen allein die Mahd und das Einbringen des Heues eine Genugtuung sind. Die vielen verschiedenen Kräutlein verbreiten sowohl belebende, als auch beruhigende Düfte. Wer einmal in einer Scheune mit Wiesenheu übernachtet hat, weiß davon zu berichten. Die Pflanzen auf diesen Magerwiesen schaffen es, unter widrigsten Umständen zu überdauern; dementsprechend viel Kraft besitzen sie, welche auch wir Menschen uns zunutze machen können. Nicht zuletzt unsere Nutztiere (Kühe) bleiben gesünder, wenn sie auch „Bergheu“ zum Verzehr bekommen. Gehen wir in Gedanken hundert Jahre zurück. Da machten sich im Hochsommer fast alle Bauern samt Gefolge auf „ins Fuddomott“. Im Innerfeld, auf den Gsellwiesen, im Fischleintal, auf den Rotwandwiesen, am Kreuzberg, und entlang des gesamten Helmhanges wurde getängelt, gewetzt, gemäht, in der Kochhütte gekocht und im Schatten zu Mittag gerastet, gerochen, „Petzn“ getragen und oft in der „Schupfe“ übernachtet. Das war die Sommerarbeit. Mühevoll, aber dennoch reizvoll. Knechte und Mägde, die besonders fleißig waren, bekamen am Portiunkula – Sonntag (1. Sonntag im August) von ihrem Bauern als Dank Portiunkula – Birnen geschenkt. Im Winter dann ging´s erst recht zur Sache. Durch meterhohen Schnee mussten in tagelanger Arbeit Wege geschaufelt werden bis hin zu den Scheunen. Dort wurden die „Fuido gfossn“. Nun kam das große Abenteuer. Mit viel Geschick musste die schwere Last zu Tal befördert werden. Besonders an den eisigen Stellen galt es, mit einer Kette „einzusperren“. Tote und Verletzte waren nicht selten die traurige Bilanz. „Martolan“ erinnerten oder erinnern daran. Eine solche Bergwiese, die immer noch bearbeitet wird und von der das Heu mit Schlitten herunterbefördert werden muss, ist die „Rauta Plotte“. Seit einigen Jahren erledigt dies unsere Schützenkompanie. Eine meiner Wanderungen führt mich jedes Jahr dahin, weil der Artenreichtum dort eine Augenweide ist. Ich hoffe, dass die Mahd unserer Bergwiesen noch lange weitergeführt wird, denn ungemähte Wiesen verfilzen und das bedeutet Artenverlust. Der Verlust einer Tier- oder Pflanzenart hängt immer auch mit Verlust an Lebensqualität für uns Menschen zusammen. Die Bilder zeigen drei Pflanzenarten, welche auf der Roten Liste stehen, in Sexten aber noch vereinzelt auf den Bergwiesen zu finden sind:

FuddomottMahd der Bergwiesen
Leachsteinige Wiese
pan RaumWiese im Frühjahr von Reisig und Steinen säubern
di SengaseSense
SengasnruggeSensenrücken
SengasnworpSensenstiel
Schoibahinterer Sensengriff
Kricklvorderer Sensengriff
Tonglschteicklkleiner Amboss, auf dem die Sense getängelt wurde
TonglhammoleHammer, mit dem die Sense geschärft wurde
TonglSchneide der Sense
TraichlQuerholz des Rechens, in dem die Zinken stecken
KumpfBehälter für den Wetzstein
Modeein mit der Sense gemähter Streifen
Schlochtemehrere Meter breites von Hand gemähtes Feldstück
WondileFlecken schön angebreiteten, gemähten Grases auf der Bergwiese
WissehaiBergheu
PluimaHeublumen, zerbröseltes Heu, das beim Einbringen anfällt
SchupfeScheune
KouchhitteKochhütte
di Keiggl pa do Schupferunde Hölzer zum Verschließen des Schuppens
Haiploche/ HaiploheHeutuch
Drischtekegelförmiges Heulager mit einer Stange in der Mitte
Potschungilapirespezielle Birnensorte
Hai zoichnHeu vom Berg ins Tal ziehen
SchneaschtieflSchneeschutz aus Lodenstoff, reichten von den Schuhen bis zu den Knien
leidando JanggaJacke aus Lodenstoff
HournschlieteHornschlitten
a aisgsoulto SchlieteSchlitten mit angeeisten Kufen
FerglGerät, zum Heuziehen im Winter
KloubeVerschluss aus Hartholz, mittels dessen man den Lederriemen ums Heufuder spannen konnte.
do Wissepamdünner Baumstamm, der übers Fuder gespannt wurde.
WolgaRundholz, das untergelegt wurde, wenn das Gelände zu flach war.
di AuleigaMänner, die halfen, “das Fuder zu fassen“
LodeschtottLadestatt, freigeschaufelter Platz vor der Scheune
FuidoHeufuder
SchouboSchober, Heuhaufen
inschpeirrnKette vor den Schlitten werfen, wenn es zu eisig war.