De Wouche kimmp do Pato

De Wouche kimmp do Pato

Diese Woche kommt der Pate

Nach altem Recht führten die Patern des Franziskanerklosters des Nachbardorfes Innichen zweimal im Jahr eine Sammlung durch. Zu Fuß und auch im Spätherbst noch in Sandalen und ohne Socken kam ein Franziskanerpater in Begleitung eines ortskundigen Sextners. Für jeden Bauern hatten sie geweihtes Pluima (zerriebene getrocknete Blüten und Kräuter) aus dem Klostergarten dabei.

Dies schütteten sie in einen bereitgestellten Teller. Das Kräuterpulver wurde im Stall unters Heu gemischt. So sollte das Vieh gesund bleiben.

Die Paurngitschilan (kleine Bauernmädchen) bekamen Patonringilan, glitzernde Fingerringlein mit einem Strasssteinchen in der Fassung. Wer nicht aufpasste, verlor das Steinchen am nicht gerade teuren und stabilen Ring sehr bald und musste ein halbes Jahr warten, bis der Pater wieder kam. Die Bauern ihrerseits gaben ans Kloster etwas von ihren Produkten ab: Butter, einige Eier, ein Stück Speck, hausgemachtes Brot.

Dieser Brauch hatte sich seit undenklichen Zeiten gehalten, bis er vor wenigen Jahrzehnten aufgegeben wurde, so dass es heute nicht mehr heißt: Diese Woche kommt der Pater.